(Ein „Neuer“ bei der Kieler Tafel schildert seine ersten Eindrücke)

Am 29.7.2014 war es soweit. Ich wollte Nägeln mit Köpfen machen und den lange im Kopf bewegten Vorsatz, bei der Tafel zu helfen, umsetzen. Aus dem Internet habe ich den Fragebogen heruntergeladen, ausgefüllt und bin damit direkt in die Tafelzentrale am Schwedendamm gefahren, um mich vorzustellen. Mir schwebte vor, mich für den Fahrdienst zu bewerben. Aber man bat mich, doch erst einmal im Depot zu beginnen und mich am Montag, den 4.8.14 um 12:30 Uhr im Depot am Schwedendamm einzufinden. Na gut, Depotarbeit, d. h. ja wohl Ware annehmen, verschieben und zum Versand fertig machen. Das sollte doch wohl zu schaffen sein. Also: „Auf Wiedersehen, bis Montag!“

Also erschien ich am Montag im Depot. Ich sah bei der Führung durch den verantwortlichen Depotleiter keine der erwarteten Kisten und Kästen, Säcke und andere Gebinde. Ich sah Stapel von Faltkisten mit Obst und Gemüse, Brot und Brötchen und vielen anderen Lebensmitteln. Mir wurden die Kühlräume gezeigt, die Art der Aufbewahrung der Lebensmitteln, Listen mit den von den Verteilstellen gewünschte Mengen und Arten der Lebensmittel, die Waschanlage für die Faltkisten und das Notlager mit haltbaren länger lagerbaren Konserven.

Dann bekam ich eine Schürze der Tafel und nach dem Umbinden hatte ich schon ein echtes Tafelhelfergefühl. Ich bekam noch gezeigt, wo die Handschuhe zu finden sind, und suchte mir einen Arbeitsplatz. In dem Raum arbeiteten 3 Personen direkt an einer Rollenbahn auf der viele Faltkisten standen. Jede und jeder hatte vor sich eine Kiste mit den unterschiedlichsten Inhalten. Nur Obst, nur Gemüse, alles durcheinander und manchmal auch nur völlig unbrauchbare Reste und verdorbene Lebensmittel. Nun ist jeder gefordert zu prüfen und zu entscheiden, ob das Gemüse oder Obst noch gut genug ist, um in die Ausgabestellen zu gelangen. Bei positiver Begutachtung wurde das gereinigte Obst und Gemüse in die Faltkisten auf der Rollenbahn sortiert. Bei genauer Betrachtung bedeutet es, dass jedes Stück Obst und Gemüse einzeln aus der Folie befreit, aus den Plastikbehältern entnommen und begutachtet wird. Ausnahmen machen nicht einmal Kartoffeln. Auch diese werden aus den Säcken entfernt, um bereits faulende Exemplare herauszufischen. Für mich bedeutete dies alles Neuland, und ich bewunderte die neben mir arbeitenden Helfer, wie geduldig sie meine Fragen beantworteten. Wo gehört die Zwiebel hinein, wohin muss ich Suppengemüse einsortieren, wohin mit den Bergpfirsichen, den Avocados, den Pilzen, den Brombeeren usw. usw.

Zum Glück gingen wachsame Mitarbeiter herum. So erfuhr ich, dass ich Südfrüchte nicht in den allgemeinen Abfalleimer sortieren dürfe und Tomatenrispen gehörten schon gar nicht dahinein!! Waren die Körbe auf der Rollbahn gefüllt, wurden sie wiederum sortiert in normale Aufbewahrung oder für die Kühlung. So arbeiteten wir alle flott vor uns hin und als wir dachten die vorhandenen ca. 70 Kisten abgearbeitet zu haben, hatten fleißige Helfer schon wieder neue Kisten hingestellt. Es erschien mir wie eine Sisyphusarbeit. Die Zeit verging jedoch wie im Fluge und gegen 17:00 Uhr war die Schicht beendet.

Meine Meinung zu der Depotarbeit musste ich grundlegend revidieren. Wer stundenlang jedes Stück Obst und Gemüse begutachtet, eventuelle Schäden behebt (z.B. welke Blätter am Salat entfernen, faule Weintrauben aussortieren, Radieschen oder Champignons sortieren, bei Bananen und Ananas auf Reife oder Überreife zu entscheiden, an den Paprika Faulstellen entdecken, usw. usw.) ist in meinen Augen ein Fachmann oder eine Fachfrau mit hohen Qualitäten. Sie alle könnten nach meiner Meinung mit Erfolg einen Obst- und Gemüsestand auf einem Markt führen.

Am Montag den 11.8. habe ich erneut im Depot ausgeholfen. Dort habe ich nicht mehr ganz so oft meine Mitstreiter fragen müssen. Aber bewundert habe ich sie wiederum.

Als Fazit bleibt mir nur: Chapeau meine Damen und Herren des Depots.

Michael Dunkel

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