Dr. Ulrich Orth, Professor für Foodmarketing an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, hat der Kieler Tafel ein ungewöhnliches und wertvolles Geschenk gemacht:

ein Seminar zur Unternehmensführung und -beratung. Das ganze Sommersemester über beschäftigten sich seine Studenten mit der Kieler Tafel. Die umfangreiche Untersuchung hätte uns – erstellt von einer professionellen Unternehmensberatung – 16.000 Euro gekostet. Noch sind wir (Vorstand) dabei, uns die umfangreiche Untersuchung zu erarbeiten, aber eins steht schon fest: Die Studenten gaben uns nicht nur einige sehr interessante Anregungen für unsere Arbeit, sondern konfrontierten uns auch mit ein paar eher ernüchternden Erkenntnissen. Hier eine kurze Zusammenfassung.

Image: Wie steht die Tafel in den Augen der Kieler Bevölkerung da?

Hierzu wurden 106 Personen aus dem gesamten Stadtgebiet im Sophienhof, der Holstenstraße und dem Schrevenpark befragt. Das erschreckende Ergebnis: nur 17 % kannten unsere Arbeit gut oder sehr gut. Einige sagten, sie wüssten zwar, dass es die Kieler Tafel gibt, aber sie wüssten wenig über deren Tätigkeit. Und nur eine Minderheit wusste, dass die Kieler Tafel außer Lebensmitteln auch Geldspenden benötigt.

Die logische Empfehlung: Kieler Tafel und ihre Arbeit stärker bekannt machen.

Wettbewerb um Spenden: Welche Organisationen konkurrieren dabei mit der Kieler Tafel?

Mit einem Fragebogen wurden 115 Personen befragt. Potentielle Wettbewerber waren 14 international oder regional tätige Organisationen. Hier schnitten wir – auf Platz 6 – einigermaßen gut ab. Und – anders als beim ersten Thema – kannte uns fast jeder der Befragten. Überflügelt wurden wir von SOS-Kinderdorf und Kinderhospiz, DRK, Brot für die Welt und Unicef. Regional, stellten die Studenten fest, sei das Kinderhospiz unser größter Konkurrent. Sie raten uns, nach außen noch engagierter aufzutreten und gezielt ältere Menschen um Spenden zu bitten, „da mit steigendem Alter die Spendenbereitschaft steigt.“

ZIELGRUPPE Privatpersonen: Wie gewinnt man neue Unterstützer und neue Spender?

Befragt wurden 141 Personen in der Holtenauer Straße, im Sophienhof sowie über online-Portale nach ihren persönlichen Verhältnissen, ihren Interessen, ihrem Engagement für gemeinnützige Organisationen.

Empfehlungen, um bei ihnen Vertrauen zu erringen und die Bekanntheit zu stärken: Nutzung lokaler Medien, Infoflyer vor Ort, Infostände zur Kieler Woche, Events im sportlichen und kulturellen Bereich.

ZIELGRUPPE Unternehmen: Welche Unternehmen unterstützen die Kieler Tafel? Warum oder warum nicht?

Die Gruppe, die dieses Thema bearbeitete, hatte es besonders schwer. Sie versandte mehrere hundert Fragebogen direkt und online, erhielt aber nur 23 ausgefüllt zurück. Firmen lieben es halt nicht, über ihr Spendenverhalten Auskunft zu geben. Immerhin: in dieser Rubrik gehört die Kieler Tafel neben Hempels e.V. zu den meist-unterstützten Adressen (je sechs Firmen). Als Hauptgründe werden der regionale Bezug, die soziale Förderung sowie Transparenz und Verlässlichkeit genannt. Übrigens, so ermittelte eine andere Arbeitsgruppe, kommt es ja auch umgekehrt wieder den Firmen zugute, die uns unterstützen: ihr Image in der Öffentlichkeit wächst.

Eine pfiffige Empfehlung der Studenten: die Werbeflächen unserer Transporter zum Spendenaufruf nutzen.

Kommunikationsmittel: Welche Rolle spielen sie für das Spendenaufkommen?

Diese Studentengruppe arbeitete mit Kreativität. Sie entwickelte Alternativen zu unserem aktuellen Flyer. Ihre spritzigen Entwürfe bezogen sich dabei auf unsere Arbeit, auf Kinder, auf Dinge zum Schmunzeln. Vier Entwürfe blieben in der engeren Wahl. Diese legten sie mit einem Fragebogen 115 Personen vor.Und die Ergebnisse? Sieger wurde ein Entwurf mit der bunten Collage der Matthias-Claudius-Schule, die bei uns im Schwedendamm hängt. Unser nächster Flyer?

Wandcollage

Wandcollage

Könnte ein Fürsprecher das Engagement für die Kieler Tafel steigern?

Eine bekannte oder typische Persönlichkeit, die in der Öffentlichkeit für die Kieler Tafel und ihre Arbeit steht, wäre für uns ein großes Plus. Aber wer? Das hatten wir im Vorstand in der Vergangenheit schon des Öfteren diskutiert ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Jetzt gingen die Studenten mit wissenschaftlicher Gründlichkeit an diese Frage heran. Letztlich präsentierten sie vier unterschiedliche Personen: eine Studentin und einen Rentner, den Handballspieler Dominik Klein und den Moderator Dennis Wilms. Sie erarbeiteten einen detaillierten Fragebogen und befragten 120 Personen. Das Rennen machte schließlich der sozial engagierte, in Kiel geborene Moderator. Nun werden wir im Vorstand weiter über das Thema diskutieren.

Fundraising: Spenden-, Spender- und Helfereinwerbung

Bei diesem Thema waren Kreativität und Organisationstalent gefragt. Denn die Studenten entwickelten bis in kleinste Details Konzepte für drei anspruchsvolle Benefiz-Veranstaltungen, die der Tafel Bekanntheit und Geld bringen könnten.

Helfer: Recruiting

Ständig sind wir auf der Suche nach körperlich fitten ehrenamtlichen Helfern, besonders für unseren Fahrdienst. Der wird seit einigen Monaten schon durch engagierte Studenten verstärkt – ein positives Ergebnis unserer Aushänge in Uni und FH. Die Gruppe Helfer-Recruiting hat nun einen kleinen Film überunseren Fahrdienst gedreht und ihn über YouTube ins Netz gestellt. Innerhalb kurzer Zeit hatte er immerhin schon 375 Aufrufe. Und weiterhin melden sich immer wieder Studenten bei uns, die mithelfen möchten – im Fahrdienst, im Depot, in der Ausgabe. Klasse!

Und nun liegt es an uns, was wir aus der einen oder anderen Anregung der Studenten machen.

Übrigens: Interessierte Mitglieder der Kieler Tafel können ein Exemplar der ausführlichen Abschlussberichte über Barbara Kotte oder Frank Hildebrandt ausleihen.

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